Arten der ketogenen Ernährung und Eignung für CED-Patienten
- Erika Bürger
- 31. Mai 2023
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Mai

Seit Start meiner Ernährungsumstellung im Jahr 2021 postete ich in sozialen Netzwerken alle konsumierten Speisen. Zu meinem sog. öffentlichen Ernährungstagebuch bekam ich ab und an auch Kommentare, nach dem Motto „Es ist doch nicht ketogen“. Nachdem wir nun wissen, welche Lebensmittel erlaubt und eben auch nicht erlaubt sind, möchte ich auf die unterschiedlichen Ausprägungen und Modifikationen der ketogenen Ernährung eingehen, um mehr Transparenz hierzu zu schaffen. Diese ergeben sich nämlich in Abhängigkeit von den individuellen Bedürfnissen, also davon, welches Ziel man bei der Ernährungsumstellung verfolgt:
Klassische ketogene Ernährung (ketogenic diet, KD)
KD ist die strengste Form, die oft mit höherem als 90% Fettanteil der Gesamtkalorien, moderatem Eiweiß und in der Regel mit weniger als 20-30 Gramm Kohlenhydraten pro Tag gekennzeichnet wird. KD findet bspw. zur Behandlung von schweren Epilepsieformen bei Kindern Anwendung, ebenso bei GLUT1-Mangel-Syndrom Pyruvat-Dehydrogenase-Mangel, Angelman-Syndrom, Rett-Syndrom oder bei tuberösen Sklerose.
Standard-Ketogene Ernährung (standard ketogenic diet, SKD)
SKD ist weniger restriktiv und wird sehr oft zur Gewichtsreduktion, sowie von Menschen mit verschiedenen metabolischen Erkrankungen, wie Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz und Fettleibigkeit verwendet oder einfach zur Verbesserung der kognitiven Funktionen eingesetzt. In der Regel bilden hier Kohlenhydrate weniger als 50 Gramm pro Tag bzw. etwa 5-10% der gesamten Kalorienaufnahme ab. Um die Muskelmasse zu erhalten und den Körper mit Aminosäuren zu versorgen, werden eher moderate Mengen an Protein, also ca. 20% des gesamten Kalorientagesbedarfs konsumiert. Der größte Teil der Kalorienaufnahme von etwa 70-75% sollen hier aus Fettquellen stammen.
Gezielte Ketogene Ernährung (targeted ketogenic diet, TKD)
Sportler und körperlich aktive Personen sind für diese Keto-Diät prädestiniert. Moderate Mengen an Kohlenhydraten werden hier vor und nach dem Training konsumiert, um die sportliche Leistung zu steigern und den Körper schnell mit zusätzlicher Energie versorgen zu können, jedoch ohne dabei aus der Ketose zu „fliegen“. Der Proteinanteil in der TKD ist höher als in der Standard-Ketogenen Diät, damit die Regeneration der Muskel sowie Muskelaufbau gefördert werden.
Hochprotein-Ketogene Ernährung (high-protein ketogenic diet, HPKD)
Diese Variante eignet sich für Bodybuilder zur Förderung von Muskelaufbau und für ältere Menschen, die ihr Muskelgewebe schützen möchten. Die Proteinmenge variiert zwischen 1,5 und 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, während der Kohlenhydratanteil ähnlich wie bei der Standard-Ketogenen Diät sehr niedrig bleibt.
Zyklische Ketogene Ernährung (cyclical Ketogenic Diet, CKD)
Ebenfalls beliebte Ernährungswahl bei Bodybuildern und Kraftsportlern, die periodenweise entweder mit niedriger oder mit erhöhter Kohlenhydratzufuhr verbunden wird, um den Muskelaufbau zu fördern. Typischerweise folgt die CKD einer 5-Tage-Keto-Phase (analog der SKD-Makronährstoffverteilung), gefolgt von einer 1- bis 2-tägigen Phase mit höherer Kohlenhydrataufnahme (etwa 50-60% des gesamten Kalorientagesbedarfs).
Die modifizierte ketogene Ernährung (modified ketogenic diet, MKD)
MKD wird auch als "modifizierte Atkins-Diät" genannt, wird in der klinischen Praxis oft als Alternative zur SKD eingesetzt. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass die Makronährstoffverteilung je nach individuellem Bedarf variiert. Hier besteht weniger strikte Kohlenhydratrestriktion, die moderat bei etwa 10-20% der täglichen Kalorienzufuhr liegt (mehr dazu s.u.). Man hat hierbei auch mehr Flexibilität bei der Proteinaufnahme, was normalerweise zwischen 1,2 und 1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht (10-40%) umfasst. Der Anteil an Fett liegt bei 50-60% der Gesamtkalorienzufuhr. Damit man in der Ketose bleibt und diese auch aufrechterhält, müssen die genauen Kohlenhydratgrenzwerte auf die Person individuell angepasst werden. Damit werden an verschiedenen neurologischen Erkrankungen leidende Menschen, wie bspw. Epilepsie, Autismus-Spektrum-Störungen und Alzheimer-Krankheit, therapiert.
Die zyklische, hochproteinreiche und gezielte ketogene Ernährungsformen werden mehr in der Sportmedizin praktiziert, während die restlichen Keto-Diäten (Standard-Ketogene Diät, Klassische Ketogene Diät und Modifizierte Ketogene Diät) in der medizinischen Praxis zur Behandlung von bestimmten Erkrankungen eingesetzt werden. So scheint die MAD laut einer Studie von Pfeifer/Thiele (2005) bei neurologischen Erkrankungen, wie Epilepsie, besser verträglich zu sein im Gegensatz zur „Klassischen“ und der „Standard“ ketogenen Diäten.
Keto vs. Atkins
Sowohl die ketogene Diät (erstmaliger Einsatz seit 1920) als auch die Atkins-Diät (konzipiert in den 1960ern) sehen eine Reduktion der Kohlenhydrate vor und fördern beide die Gewichtsabnahme, können also euren Cholesterin, Blutdruck und Blutzucker senken.
Ebenfalls geben beide denjenigen, die sie ausprobieren, gleichzeitig gesündere Ernährungsgewohnheiten mit auf den Weg. Bei diesen Ähnlichkeiten bleibt es aber auch!
Die Keto-Diät begrenzt die Kohlenhydrate insgesamt, während die Atkins-Diät sie in 4 Phasen (Einführung, fortlaufende Gewichtsabnahme, Vor-Erhaltung und Erhaltung) erhöht. Die Atkins-Diät löst somit die Ketose nur in Phase eins und manchmal in Phase zwei aus. Wenn ihr wieder Kohlenhydrate in eure Ernährung einführt, beendet ihr schließlich die Ketose. Dieser Unterschied zeigt, dass die Atkins-Diät nicht so einschränkend ist wie die Ketogene Diät, bringt aber auch nicht den gewünschten dauerhaften entzündungshemmenden Effekt, was man bei der CED-Therapie aber erreichen will.
Die Keto-Diät enthält reichlich Fett, die Atkins-Diät hingegen setzt auf Eiweiß, um den Hunger zu dämpfen.
Keto fördert Vollwertkost, Atkins auch vorgefertigte Lebensmittel. Das Diätunternehmen Atkins ermutigt die Menschen, Riegel, Shakes und andere vorgefertigte Lebensmittel der Marke Atkins zu essen, die speziell zur Unterstützung dieses Lifestyles entwickelt wurden.
Sowohl bei Atkins als auch bei der klassischen Keto-Ernährung müsst ihr eure Ernährung im Auge behalten und euch auf nahrhafte Lebensmittel konzentrieren. Wenn ihr ernsthaft erwägt, eine dieser Diäten auszuprobieren, dann ist es vorher sinnvoll bzw. bei der Keto Diät sogar erforderlich, eine/n Arzt/Ärztin oder Ernährungsberater/in aufzusuchen.
Auf dem ersten Blick erwies sich die von mir individuell modifizierte Ketogene Ernähung (dauerhafte KH-Reduktion + Keto-Pausen) zur Erhaltung der Remissionsphase bei meiner Morbus Crohn Erkrankung als die geeignete supportive Therapieoption. Es lässt sich allerdings nicht eindeutig herleiten, welchen Einfluss meine individuelle Situation, wie Stressresistenz, Lebensstil, auf den Genesungszustand hatte und in welchem Ausmaß die Ernährungsumstellung zur vollständigen Remission geführt bzw. diese Phase unterstützt hat.
In der Forschung gibt es keine Einigkeit darüber, welche ketogene Ernährungsform bei CED-Patienten sich nun am besten eignet. Wie im obigen Kapitel kennengelernt, kann die ketogene Ernährung zur Verbesserung der Symptome der CED-Patienten beitragen, aber die CED-Therapiewahl ist unter Berücksichtigung von weiteren Faktoren und abgestimmt auf die Bedürfnisse der zu therapierenden Person individuell zu treffen.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bitte konsultieren Sie immer einen Arzt oder eine medizinische Fachkraft, bevor Sie Änderungen an Ihrer Ernährung oder Behandlung vornehmen.
Quellen
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